Autsch, verdammt!

Seit meine Tochter „Aua!“ sagen kann, sagt sie es auch ständig. Sie stolpert, „Aua!“, sie läuft wogegen „Aua!“, der Teddy fällt runter „AUA,AUA,AUA,AUA!“. Ich sage Nein, sie sagt „Aua!“.  Wenn es wirklich mal weh tut, schreit sie – aber nicht Aua. Sie brüllt einfach.

Sprachlich gesehen ist Au! eine onomatopoetische Interjektion – eine lautmalerische Umschreibung eines außersprachlichen Schallereignis – ein sehr altes Wort, ein „ursprachliches“ vielleicht sogar dazu.

Au! Ein klanglich gezähmter, disziplinierter Schrei also, oder mehr ein Jaulen: Auuuuuuu. Aha, um es mal mit der lautlichen Umschreibung eines Erkenntismoments auszudrücken. Hier läuft bestimmt eine Art urzeitliches Sprachlernprogramm ab. Das Aua! ist das sprachliche Zeichen für einen körperlichen Schmerz, Schreien kann ja alles mögliche bedeuten.

Noch praktischer: Wenn man später am prähistorischen Lagerfeuer von seinem Schmerz berichten will, dann schreit man nicht, sondern es heißt: Au! Ich habe gesprochen. Das Aua ist also auch eine kleine, schmerzhafte Geschichte, die mal weh tat, es aber nicht mehr tut – hoffentlich.

pardauz, bumms, klatsch, boing, krach

Leider hatte die Kleine in den letzten Wochen mehrmals Grund so richtig zu schreien. Zwei gemeine Stürze, zwei Mal Krankenhaus. Beide Male standen ich und mein Mann daneben und haben es nicht verhindern können. Das erste Mal: Verdacht auf Gehirnerschütterung. Es waren die Rota-Viren (trotz Impfung). Der Sturz vom Klettergerüst in den Sand – nicht auf den Kopf wohlgemerkt – und das Erbrechen waren nur zufällig zusammengefallen.

Und nur eine Woche später: ein Sturz beim Balancieren vom Lieblingsmäuerchen im Zoo. Mein armes Kind hat sehr geweint und wir haben ein sehr schlechtes Gewissen (ein schwerer Konflikt zwischen Helikoptern und der langen Leine…). Zunächst haben wir nicht einmal bemerkt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Erst später, als uns auffiel, dass sie den Arm schont, sind wir dann zum Arzt gegangen. Meine Tochter äußerte sich dort gar nicht, kein Schreien, kein Weinen, kein Au! Nun, er könne einen Bruch nicht ausschließen, so der Arzt. Also ab ins Krankenhaus. Arm gebrochen – Mist – ein Gips muss her.

Es war einmal ein kleines Mädchen…

Als wir heimkamen hat sie den Verband um die Gipsschiene erst mal angemalt. Mittlerweile steht das Ding vor Dreck. Zum Glück kann der Gips bald wieder abgenommen werden. Aber meine Tochter hat mittlerweile das Erzählen auf eine einzige Geschichte reduziert. Sie zeigt auf ihren Gips und meint: Au!

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