Kinderliederchor – freies Schreien für freie Menschen

Dass ich singen kann wäre gelogen, sagen viele. Dass ich nicht singen kann auch, meinen ein paar andere… Der Wahrheit am nächsten kommt wohl der Satz: Ich singe gerne. Meistens singe ich mit. Meine Solokarriere startete mit der Geburt meiner Tochter. Und ich habe mittlerweile eine frenetisch tanzende Ein-Kind-Fan-Base, die mich zu ungezählten Zugaben zurück auf die Bühne holt. Schönes Gefühl!

Es ist verlockend, mehr Nachwuchs in die Welt zu setzen, nur um noch mehr extatisch zuckende Kinder mit meinem Sing-Schreien (hoch) zu begeistern. In letzter Zeit versucht die Kleine sogar selber mitzuschreien (noch höher)…

Kindheitstrauma

Anders ist es, wenn wir die heimliche Bühne unserer Wohnung (was die Nachbarn wohl dazu sagen) verlassen. Freudig werde ich auf dem Spielplatz aufgefordert, ein paar Evergreens wie „Alle meine Entchen“ (ente, ente) oder „Es regnet“ (nass, nass) zum Besten zu geben. Verschämt blicke ich mich um und fistele ein wenig vor mich hin. Frische Luft tut dir Stimme ja so gar nicht gut. Manchmal singe ich auch lauter – wenn wir allein sind. Tolles Vorbild.

Ich weiß natürlich, dass es schöner wäre, sich nicht für sein Singen zu schämen. Aber ich komme nicht über ein kleines Kindheitstrauma hinweg: Mein Vater tappte ins Zimmer als ich gerade in vollster Inbrunst „Heidschi Bumbeidschi“ für ein Publikum aus Barbies, Bären und Matchbox-Autos performte… Lachend gegen Boden sinkend hat er eine große Bühnenkarriere unter sich begraben (vielleicht).

Wo man singt…

Also zurück zum Mitsingen. Beim gemeinsamen öffentlichen Singen gelten andere Schamgrenzen. Leider habe ich gerade weder Zeit, noch Lust (Vorsingen etc.) mir einen Chor zu suchen. Außerdem scheinen mir Kinder das geneigtere Publikum zu sein.

Am liebsten würde ich ein paar andere Eltern für einen Kinderliederchor begeistern. Proben auf dem Spielplatz, dann stimmt auch die Atmosphäre gleich – zumindest was das Schreien angeht. Meine Oma hätte an dieser Stelle gesagt: „Wo man singt da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder“. Vielleicht macht es den Kindern ja sogar Spaß und sie machen mit: Freies Schreien für freie Menschen.

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